Making of Phil on Carp der Film

Veröffentlicht in: 
veröffentlicht als Artikelreihe im Carp in Focus 2010

Die Produktion einer Karpfenangel-DVD kann zu einem Abenteuer werden. Philipp Braun hat es gewagt. Für „Phil on Carp, der Film“ beangelte er drei Gewässer. Wir haben ihn bei den Dreharbeiten begleitet.

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Für seine erste DVD befischt Braun drei Gewässer: Einen kleinen Waldsee mit nur vier Hektar, eine 30-Hektar-Kiesgrube in der noch gebaggert wird und wo nur wenige Fische schwimmen sowie einen großen, rekultivierten
See. An keinem der drei Gewässer hat Braun vor Beginn der Dreharbeiten viel gefischt, seine Gewässerkenntnisse halten sich also in überschaubaren Grenzen.
Es ist die Gewässerauswahl, die über den Erfolg eines solchen Filmprojekts entscheidet. Man kann es sich einfach machen und Seen aussuchen, an denen man mit großer Sicherheit kapitale Fische fängt. Aber nein, das kam nicht in Frage. Braun wollte seine Angelei authentisch darstellen, also mussten die Dreharbeiten an Seen stattfinden, die ganz dem Gusto von Braun entsprachen. „Und ich mag große Gewässer mit einer kleinen Anzahl ganz besonderer Fische“, sagt Braun.
Diese so genannten Low-stocked-Gewässer
haben es ihm angetan. Ebenso wie kleine
Seen, die aufgrund ihres hohen Angeldrucks
schwierig zu beangeln sind.
An solchen Gewässern bedarf es extrem guter
Futtertaktiken, um vor laufender Kamera
Fische zu überlisten. Dennoch spielte natürlich
der Faktor Glück eine große Rolle: Würden
genügend große Fische beißen, wenn die
Kamera dabei war? Es gestaltete sich schwierig, Drehtermine zu finden. Braun ist als Dozent an der Universität Köln beruflich stark eingespannt. Jascha
Sucker verdient seine Brötchen als Mediendesigner,
zudem darf seine Familie nicht zu
kurz kommen. Für einen Drehtermin musste
Braun Zeit haben, Sucker auch, die Futteraktion
muss passen - und das Wetter. Glücklicherweise ist Sucker selbst auch Karpfenangler,
er weiß mit welchen Unwägbarkeiten
man beim Karpfenangeln rechnen muss.
Sucker weiß, dass nicht immer alles vor der
Kamera so abläuft, wie man es sich vorstellt.

Zwei-Mann-Team


Braun eilt der Ruf voraus, ein etwas chaotischer
Angler zu sein. Er fährt gerne mal
ohne Kescher ans Gewässer, er vergisst seine
Verpflegung zuhause und an seinem Angelplatz
sieht es oft aus, als sei eine Bombe
eingeschlagen. Bei seinen anglerischen Projekten
allerdings legt er eine Portion Perfektionismus
an den Tag. Und das ist bei einem
solchen Filmprojekt durchaus von Vorteil.
Also arbeiteten Braun und Sucker zunächst
ein detailliertes Drehbuch aus. Doch dieses
Drehbuch musste sich an den technischen und finanziellen Möglichkeiten orientieren.
So waren in manchen Szenen die beiden Protagonisten
auf sich allein gestellt. Also ein
Angler und ein Kameramann. Niemand war
da, der bei einem Take im Regen die 20.000
Euro teure Kamera schützen konnte. Der bei
bedecktem Himmel mit Sonnensegeln das
wenige Licht einfi ng. Oder der beim Camp
blieb, wenn Angler Braun und Kameramann
Sucker im Boot unterwegs waren.
Es gab eine klare Rollenverteilung bei diesem
Projekt. Braun stand als Angler und Moderator
vor der Kamera. Produzent Sucker,
dem die Produktionsfi rma CyTec Media gehört,
drehte mit verschiedenen Kameras und
bearbeitete das Material später. Nur in den
Drehpausen zwischen den einzelnen Takes
angelte Sucker auch selbst. Beiden ging es
letztendlich darum, neben zahlreichen Erklärungen
zu Futter, Rigs und Angelstrategie die
pure Freude am Angeln und die Stimmung
am Wasser einzufangen. So war Sucker stets
um Naturaufnahmen bemüht, die später als
kurze Sequenzen im Film vorkommen werden.
Es war nicht einfach, für alle drei Gewässer
Drehgenehmigungen zu erhalten. Nicht jeder
Verein mag es, wenn an seinem See gedreht
wird. Denn wer möchte schon einer breiten Öffentlichkeit verraten, dass im eigenen
Vereinssee kapitale Fische schwimmen um
sich danach mit einem Ansturm von Tageskartenanglern
konfrontiert zu sehen? Daher
wurden die Gewässer stets so gefi lmt, dass
keiner, der sie nicht ohnehin schon kennt,
ahnen kann um welche Seen es sich handelt.
Zudem fürchtet so mancher Verein Probleme
durch die Behörden, denn Catch and Release
ist in Deutschland verboten.

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Nur kein falscher Ton


Braun und Sucker legten Wert darauf, dass
es ruhig war am Ufer. Nur ja nicht viele Beobachter
und Neugierige rund um das Camp.
Das Horrorszenario schlechthin: Ein großer
Fisch beißt, ein spektakulärer Drill – und
plötzlich setzt aus dem Hintergrund ein Gegröle
von Unbeteiligten ein. Dennoch: Alleine
waren Braun und Sucker nicht immer.
Zum Beispiel machten Freunde von Braun
Fotos für das englische Magazin „Advanced
Carpfi shing Magazine“, wo ebenfalls
eine Artikelserie über den Film läuft. Dazu
kamen gelegentlich weitere Freunde, die bei
den Dreharbeiten halfen. Nicht zu vergessen
einige Stammangler vom jeweiligen Gewässer,
die das Geschehen neugierig verfolgten.
Gelegentlich war es somit doch eine große Ansammlung. Das ist durchaus heikel, wenn
man bedenkt, dass ein einziges unbeabsichtigtes
Nebengeräusch eine Szene ruinieren
konnte. Und selbst wenn sich alle Beteiligten
mucksmäuschenstill verhielten: Ein Versprecher
Brauns, inmitten der ganzen Hektik
eines spannenden Drills – und schon könnte
man die Szene vergessen. Das wäre vor allem
dann ärgerlich gewesen, wenn dynamische
Szenen gedreht wurden. Zum Beispiel
wenn Braun mit gekrümmter Rute ins Boot
stieg und dabei kommentierte. Solche Einstellungen
lassen sich nicht wiederholen, in
solchen Momenten muss alles passen. Deshalb
ist eine gewisse Professionalität am Set
wichtig. Brauns Stärke ist sein Auftreten vor der Kamera.
Sucker: „Philipp kann vier Stunden
lang fehlerfrei sprechen. Wir haben fast jede
Szene mit dem ersten Take im Kasten gehabt.
Ich kann mich kaum erinnern, dass wir einmal
etwas zwei Mal drehen mussten.“
Das Film-Set bestand meist aus einem kleinen
Schirmzelt, vor dem Braun seine Rigs
erklärte, sein Futter anmischte, über Locations
„phil“-osophierte oder einfach über
seine Angelei erzählte. Daneben stand ein
großes Zelt, in dem das Kamera-Equipment
lagerte. Oft fischte Sucker abends selbst mit und baute dazu ein weiteres kleines Schirmzelt
auf.


Der Wurf ins Gras


Der erste See, an dem Braun und Sucker
drehten, war ein kleiner, schlammiger Waldsee
mit trübem Wasser. Braun hatte zuvor erst
zwei Mal dort gefi scht. Es gibt viele Karpfen
in diesem Pool, rund 50 Fische. Darunter
etwa zehn Dreißiger und zwei Fische um die
40 Pfund: Ein großer Spiegler und ein großer
Schuppi. Bei gerade mal vier Hektar Größe
hört sich das nach einem kleinen Paradies an.
Doch die Realität sieht anders aus. Denn der
See steht unter stärkerem Angeldruck als die
meisten großen Gewässer im Kölner Raum.
Dazu kommen die vielen Schleien- und
Raubfi schangler. Da besteht am Wochenende
kaum eine Chance zum fi schen. Also blieben
nur die Wochentage zum Angeln.
Das zweite Problem war der sehr tiefe
Schlamm am Gewässergrund. Braun fand
kein Rig, das auf diesem Untergrund funktionierte.
Selbst Chod-Rigs funktionierten nicht
gut, da auch sie im Schlamm verschwanden.
Die einzige Chance, diesen Pool effektiv zu
beangeln, besteht darin, die Montage auf
einem sehr schmalen Kiesstreifen nahe des
Ufers zu präsentieren. Die Fische erwiesen
sich als sehr scheu, sie reagierten wegen des
starken Angeldrucks sehr stark auf die Fänge
ihrer Artgenossen. Wenn man den Kiesstreifen
vor dem eigenen Ufer befischte, war der Spot anschließend stundenlang tot. Bereits
als Braun zum ersten Mal an diesen See kam,
realisierte er schnell, dass die meisten Angler
vor ihrem eigenen Ufer fi schten, sie präsentierten
den Köder unter ihren Rutenspitzen.
Das war wahrlich nicht ideal, da man einen
gehakten Fisch über dem Futterplatz ausdrillt.
Dagegen konnte man durch einen Wurf ans
andere Ufer den gehakten Fisch schnell vom
Futterplatz wegdrillen. So wurden die anderen
Fische nicht zu sehr beunruhigt. Das Problem bestand freilich darin, dass der Wurf
auf das gegenüberliegende Ufer schwierig
war. Denn man musste fast aufs Ufer werfen,
so schmal war der Kiesstreifen vor dem
leicht unterspülten Ufer. Brauns erster Wurf
an diesem See resultierte dann tatsächlich
darin, dass er auf und nicht vor das andere
Ufer warf. Das Rig blieb im feuchten Gras stecken.
Dabei bohrte sich das Blei so tief in den
Schlamm, dass er es nicht mehr lösen konnte.
Es wurde langsam dunkel, es fi ng an zu regnen,
eine Alptraumsituation schlechthin. Philipp
schnappte sich ein paar Boilies und lief
ans andere Ufer. Dort angekommen gelang
es ihm, das Blei aus dem Schlamm zu ziehen.
Er checkte die Schnur und das Rig, dann
warf er die Montage per Hand ins trübe Wasser
über dem kleinen Kiesstreifen. Der Köder
lag nun nur ein paar Zentimeter vor dem
unterspülten Ufer. Dann lief er zurück auf die
andere Seite. Und, kaum zu glauben: Schon
lief die Schnur von seiner Rolle. Nach etwa
zwanzig Minuten kescherte er den größten
Fisch des Sees, einen fetten Spiegler um die
20 Kilogramm. Dieser kleine Kiesstreifen schien genau der richtige Spot zu sein. Und da sich dieser
Streifen fast um den gesamten See zieht, fasste
Braun einen Plan: Er wollte gleich einige
dieser ufernahen Spots um den gesamten See
herum füttern. Wie aber die Fische lokalisieren, zumal diese sich kaum an der Oberfl äche
zeigten? Dank des schlammigen Seegrundes
konnte Braun sehen, welche Futterplätze von
den Fischen aufgesucht wurden, da sie beim
Fressen das Wasser braun färbten. Selbst auf
den Kies-Spots lag eine dünne Schlammschicht
auf den Steinen. Wann immer Braun
um den See lief, fl üchteten die Fische aus
den unterspülten Ufern. Was dank des aufgewühlten
Schlamms gut zu erkennen war. Auf
exakt diese Bereiche konzentrierte er fortan
seine Futteraktionen.

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Mit Crunch-Effekt


Ein Problem war, dass Braun offensichtlich
für alle anderen Angler am See mit anfütterte.
Doch da die meisten Angler an diesem
Gewässer mit single hookbaits, also ohne
anzufüttern, fischten, hielt er es für sinnvoll,
den Fischen Vertrauen in seine Boilies zu geben.
Braun kam einmal an den See zurück,
um ein Feature über Chod-Rigs für Carp in
Focus zu produzieren. Dabei fing er ein paar
Fische bis 25 Pfund. Keine Monster, aber für
den Artikel absolut in Ordnung. Als er nun zum Filmdreh wieder an den See kam, hatte er bereits ein paar Spots wie oben beschrieben vorbereitet. Alles funktionierte
prima, er fi ng erneut ein paar schöne Fische,
abermals bis etwa 25 Pfund. Doch noch immer
hatte Braun den zweitgrößten Fisch des
Pools, einen Schuppi um die 40 Pfund, nicht
gefangen. Nicht einmal einen der Dreißiger
hatte er gefangen. Mittlerweile war es Herbst geworden und Braun konzentrierte sich auf nur noch einen
Spot, der sich als erfolgreich herauskristallisiert
hatte. Täglich fütterte er acht Kilogramm
„High nutritional value“- Boilies.
Die Köder rollte er nach seinem eigenen Rezept
ab, mit viel Knoblauchöl und ein paar
weiteren kleinen, feinen Zusätzen von Nutrabaits.
Braun benutzte auch große Mengen
des „Specialist bag-Mix“ von Nutrabaits. Er
dachte, er würde die Fische aus dem ganzen
See anziehen, indem er das Wasser trübte
und somit fressende Fische simulierte. Weil
Braun glaubt, dass in kleinen, fl achen Gewässern
Geräusche unter Wasser weit hörbar
sind, rollte er Eierschalen in die Boilies mit
ein. So provozierte er einen Crunch-Effekt. Er fütterte auch ein paar bunte Fertigboilies,
um etwas anderes zu probieren. Das alles
brachte er eine Woche lang jeden Tag auf einem
kleinen Futterplatz direkt vor dem Ufer
ein, in diesem Zeitraum fischte er nicht.
Sucker zitterte Glücklicherweise wussten zu dieser Zeit die meisten der ortsansässigen Angler, dass es
sich hier um Dreharbeiten handelte. Deshalb
befi schten sie dieses Gebiet nicht. Sie hielten
Braun ohnehin für verrückt. Denn soviel Futter
hatte bislang kaum ein Angler in diesem kleinen Pool versenkt. Als der Angeltag endlich
gekommen war, warf Braun zwei Ruten
ans gegenüberliegende Ufer. Natürlich klippte
er diesmal die Schnur ein, um einen erneuten
Wurf aufs Ufer zu vermeiden.
Was für Sucker zu einer Nervenprobe wurde.
Denn der saß auf der anderen Uferseite
und fi lmte den Wurf. „Ich habe nur gebetet,
dass mir die Montage nicht auf die Kamera
fl iegt.“ Bei einem der vorausgegangen Würfe
wäre das um ein Haar passiert. „Das Blei“,
erinnert sich Sucker, „schlug nur wenige
Zentimeter neben mir ein.“
Diesmal ging alles gut, die Montage landete
am vorgesehenen Spot im Wasser. Die ganze
Nacht über saß Braun hinter seinen Ruten.
Es kamen erste Zweifel auf. Hatte er es
vielleicht mit dem Füttern übertrieben? Da
plötzlich lief die linke Rute ab. Der Drill
dauerte etwa 30 Minuten, der Fisch bewegte
sich sehr langsam. Als er den Fisch über dem
Netz hatte, setzte bereits die Morgendämmerung
ein. Und das wenige Licht fiel auf den
großen Schuppi, den zweitgrößten Fisch des
Sees, den der geneigte Carp-in-Focus-Leser
auf dem Cover dieser Ausgabe sehen kann. Später fing Braun noch einen schönen Spiegler
um die 30 Pfund. „Ich bin überglücklich mit den Fischen und den Aufnahmen“, freute sich Braun. Und
auch Sucker zog eine erste Zwischenbilanz:
„Wir haben Philipps Angelei an diesem
Waldsee sehr akribisch dokumentiert. In diesen
Aufnahmen steckt sehr viel Arbeit. Sogar
beim Boilierollen war ich mit der Kamera
dabei. Und wenn Philipp gefüttert hat, stand
ich mit der Wathose im Wasser, um alles einzufangen.“
Auch Braun selbst war mit den Aufnahmen
zufrieden – und kann es kaum erwarten, zum
zweiten Drehort weiter zu ziehen: „Jetzt bin
ich gedanklich schon in Vorbereitung auf die
Kampagne an der großen Kiesgrube.“

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Das zweite Gewässer, das wir für unseren
Film befischten, unterscheidet
sich stark vom kleinen Waldsee, wo wir die
ersten Aufnahmen gedreht haben. Es ist eine
Kiesgrube, etwa 25 bis 30 Hektar groß, mit
wenigen Anglern und wenigen bekannten Fischen.
Doch das sind allesamt schöne Karpfen,
bis an die 50 Pfund.
Ich kannte den See aus meinen Jugendjahren,
als ich noch auf Barsch und Rotaugen
angelte. Damals fing ich gelegentlich einen
Karpfen, dennoch kehrte ich dem See den
Rücken. Im vergangenen Jahr, nach langer
Abstinenz, kam ich zurück. Prompt fing ich
den größten Fisch des Sees, einen Spiegler,
46 Pfund schwer, damals ein neuer Seerekord.
Dieser Fang war mir ein wenig unangenehm.
Denn mein Freund Dirk Ulmer angelt
sehr oft dort, seit Jahren war er hinter diesem
Fisch her. Glücklicherweise fing er ihn ein
paar Wochen später selbst.

Üppiges Füttern


Nun wollte ich an diesem See zusammen
mit dem Produzenten des Films, Jascha Sucker,
zwei Tage lang viel Material abdrehen.
Da Dirk den See sehr gut kennt, stand außer
Frage, dass er mit angeln würde. Die Drehgenehmigung
holte ich mir beim zuständigen
Angelverein. Klar war, dass wir anders vorgehen mussten
als am kleinen Waldsee. Diesmal mussten
wir auf lange Distanzen angeln, natürlich
mit Hilfe eines Bootes. Die Spots lagen oft
200 bis 300 Meter entfernt, dazu gab es jede
Menge Hindernisse. Eine Herausforderung.
Zwar kennt Dirk den See wie seine Westentasche
und weiß, wann man an welchen Stellen
Karpfen fangen kann. Aber die Fische
quasi für ein Wochenende einbestellen? Das
war heikel. Dirk meinte dennoch, dass wir
fast mit dem kompletten Seebestand an großen
Karpfen bis über 20 Kilogramm rechnen
könnten. Es war Ende September, also bekamen die
Fische ordentlich Futter: Sechs bis sieben
Kilogramm Boilies pro Spot und Tag. Wir
fütterten flache, markante Uferpartien, tiefere
Stellen mit Plateaus und Stellen in der
Nähe von Krautfeldern. Unser Camp errichteten
wir an einer Stelle, von der aus wir eine
große Wasserfläche befischen konnten. Die
Rigs ruderten wir mit dem Boot hinaus.

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Fluchen verboten


Wenn wir in den nächsten Tagen einen Drill
hatten, verfolgte uns meist Jascha in einem
zweiten Boot. So konnte er den Drill aus verschiedenen
Perspektiven aufnehmen.
In diesen hektischen Momenten, mitten im
Drill, muss man abwägen: Hauptsache den
(großen) Fisch sicher landen oder lieber so
drillen, dass Jascha viele schöne Aufnahmen
machen kann? Einerseits ist ohne Fische
kein Angelfilm möglich, andererseits kann
es sein, dass man mit den Aufnahmen später nicht zufrieden ist, wenn man sich ausschließlich
aufs Angeln konzentriert. Beispielsweise sollte man auf keinen Fall der Kamera den Rücken zu drehen. Auch Flüche sollte man sich verkneifen. Wenn man den
Drill kommentiert, dann dabei nicht gegen
den Wind sprechen. Und so weiter, und so
fort. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.


Erst Stau, dann Fisch


Doch zurück zu unserem Dreh am Baggersee.
Um zu verhindern, dass ein anderer
Angler eine unserer Stellen besetzt, traf Dirk
am Freitag bereits im Morgengrauen am See
ein. Schnell aufbauen, Boot holen und los
geht’s – daraus wurde nichts. Denn ich stand
im Stau und Jascha hatte unerwartet familiäre
Verpfl ichtungen. Also baute Dirk zunächst
das Camp alleine auf. Als er die dritte Montage
auf den Spot fuhr, traf endlich auch ich
am See ein. Die Karpfen waren in Fresslaune, auch tagsüber. Perfekt für unser Filmprojekt. Nachdem
ich meine Ruten montiert und ausgebracht
hatte, lief ein Fisch ab. Schon hatten
wir den ersten Drill im Kasten: Ein schöner
Spiegler mit fast 30 Pfund.
Und so lief es weiter. Bis mittags fingen Dirk
und ich noch weitere Karpfen, bis 18 Kilo
schwer. Bereits am Vormittag hatten wir unseren
Drehplan zu 80 Prozent erfüllt. Glücklicherweise,
denn der Nachmittag brachte
keinen Fisch mehr. Das gab uns die Zeit, in Ruhe die Sequenzen ohne Fischbeteiligung
zu fi lmen. Das waren Szenen wie Ruten ablegen,
Spots per Echolot fi nden und das Erklären
von Futtertaktiken. Dabei geht natürlich
immer etwas schief. Ein gemütlicher Abend
mit ein paar kühlen Getränken war der perfekte
Abschluss eines anstrengenden aber
erfolgreichen Tages.


Der halbnackte Braun


Ernüchterung am nächsten Morgen: Die
Nacht hatte keinen Fisch gebracht. Erst am
Samstagmittag verzeichnete ich den nächsten
Take. Leider waren Jascha und Dirk
genau zu dieser Zeit kurz weg gefahren, so verpassten sie etwas, was als Outtake in den
Film gemusst hätte.
Denn im Drill zog mich der Fisch mitsamt dem
Boot in eine Segelschule,
plötzlich sah ich mich von 15 kleinen Segelbooten
umringt. Es war ein herrliches Bild: Ich, nur mit Boxershorts bekleidet (ich hatte zuvor in der
Sonne gelegen), eine gebogene Angelrute,
ein scheinbar wie von Geisterhand gesteuertes
Boot. Das Gelächter der Segelkinder war
mir jedenfalls sicher.

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Geborstene Rute


Der nächste Biss erfolgte in der Nacht auf
Sonntag auf einer von Dirks Ruten. Doch
der Karpfen schwamm schnell in ein Hindernis,
Dirk war chancenlos. Zu allem Unglück
brach ihm beim Drillen auch noch
die Rute, keine Ahnung weshalb. Beinahe
wäre Dirk dabei über Bord gegangen. Rute
kaputt, Fisch weg und Dirks gute Laune
ebenfalls. Die lebenslange Garantie auf den Rutenblank war nur ein kleiner Trost. Doch
der Sonntagvormittag entschädigte für die
nächtliche Enttäuschung: Einige fette Wasserschweinchen zwischen 17 und 19,5 Kilo
konnten unseren Ködern nicht widerstehen.
So fand die Session einen versöhnlichen
Abschluss. Unterm Strich hätte es kaum
besser laufen können. Nur der Topfi sch des
Sees blieb uns verwehrt. Doch da Dirk und
ich diesen Fisch früher bereits auf der Matte
hatten, entschlossen wir uns, nicht weiter zu
drehen. Denn die meisten großen Fische dieser
dünn besetzten Kiesgrube hatten wir vor
der Kamera. Und das in nur zwei Tagen.


Videoanalysen


Natürlich lernte ich bei unserem DVD-Projekt
Woche für Woche dazu. Ein Ausfl ug
nach Mainz in die Sendezentrale des ZDF
und viele Gespräche mit Lee Jackson, Shaun
Harrison und Pete Castle, die alle über viel
Filmerfahrung verfügen, halfen mir, meinen
fi lmischen Horizont zu erweitern. Dazu kam
Moderationstraining anhand von Videoanalysen.
Es ist alles eine Frage des Anspruchs.
Meine Moderationen müssen einfach sitzen,
das steht für mich außer Frage. Es sind gerade
die schlechten Moderationen, an denen
meiner Meinung nach fast jeder Angelfilm
krankt. Zwar muss ich berufsbedingt regelmäßig vor
vielen Menschen frei sprechen, jedoch ist die
Arbeit vor der Kamera noch einmal etwas anderes.
Das kann sicherlich jeder bestätigen,
der seine Stimme, Gestik und Mimik einmal
per Videoanalyse studiert hat. Meine Reaktion
damals, als ich mit Jascha unser erstes
Filmmaterial gesichtet habe: „Das bin ich?“
Filmen oder helfen?
Ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen,eine Situation möchte ich dennoch schildern.
Als Jascha und ich beim Dreh an der
Kiesgrube gemeinsam auf dem Boot waren
und Jascha meinen Drill fi lmte, trieben wir
stark ab. So konnte sich der Fisch in einem
Hindernis fest setzen. Jascha stand nun vor
der Entscheidung: weiter fi lmen oder mein
Boot so in den Wind drehen, dass ich meinen
Hänger lösen konnte. Letztlich legte er
die Kamera beiseite und bescherte mir ein
Happy End mit dem betreffenden Fisch. Dessen
Landung konnte Jascha dann wiederum
in Bildern fest halten.
Während ich die Endmoderation dieser Session
sprach dachte ich schon an die noch offene
und größte Herausforderung für diesen
Film. Die Rede ist vom dritten See, am dem
wir fi lmen wollen. Einem See mit klarem
Wasser, hohem Angeldruck und viel Kraut.
Im Spätherbst 2009 wollte ich dort eine Futterkampagne
starten, doch der einsetzende
Winter machte mir einen Strich durch die
Rechnung. Also konnten wir erst im Frühjahr
und Sommer 2010 dort fi schen. Wenn
alles gut läuft, sind die Dreharbeiten bald
abgeschlossen. Erscheinungstermin unseres
Films ist übrigens November 2010.
Zunächst jedoch erwartet Sie, verehrte Carpin-
Focus-Leser, in der nächsten Ausgabe der
dritte Teil dieser Making-of-Geschichte unseres
Projektes. Dann mit den Schilderungen
unserer Dreharbeiten am dritten See. Es dürfte
wohl, soviel wage ich zu prognostizieren,
das schwierigste Gewässer unseres Projekts sein.
Derzeit stecke ich mitten in der Futterkampagne.
sein. Werden wir auch dort Erfolg haben?

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Bei uns in der Garage ist der Blitz
eingeschlagen. Die Kühltruhe ist
ausgefallen. Das ganze Futter ist verschimmelt.“
Die Stimme am anderen Ende der
Leitung klingt niedergeschlagen. Es ist mein
Freund und Angelpartner Jan Ulak, der mir
diese Hiobsbotschaft überbringt. Ich kann es
nicht fassen.
Rückblick. Seit dem Beginn der Dreharbeiten
zu „Phil on Carp, der Film“, einem
DVD-Projekt über meine Angelei an drei
verschiedenen Gewässern, hatte ich immer
gewusst, dass das dritte Gewässer, an dem
wir fi schen wollten, der schwierigste Teil des
Projekts sein würde. Doch hätte ich damals
gewusst wie schwierig es werden würde - ich
bezweifle, dass ich dieses Gewässer ausgewählt
hätte. Seit dem Beginn der Dreharbeiten hatten
wir stets das Glück auf unserer Seite. Schon
nach ein paar Nächten an dem kleinen Waldsee
hatten wir einige der ganz große Fische vor der Kamera. Gleiches Spiel an der großen
Kiesgrube, auch dort hieß es schnell:
„job done“. Nun also unsere dritte und letzte
Station, eine große Kohlegrube mit glasklarem
Wasser, viel Krautbewuchs und wenigen,
schwierig zu fangenden Fischen.Bereits im Herbst 2009 weilte ich für zehn Nächte an dieser Kohlegrube. Ohne
meinen Produzenten Jascha Sucker und dessen
Kamera. Ich hatte lediglich einen Camcorder
dabei, für den Fall, dass ich etwas fangen
sollte. Doch ich blieb erfolglos. Während
der nächsten Wochen rollte ich Unmengen
an G-Force-Boilies ab, die Fische bekamen
ordentlich Futter. Über 80 Kilogramm reine
Freezer Baits verklappte ich innerhalb weniger
Wochen dort. Dann endlich der ersehnte
Biss – doch der Fisch stieg aus. Das durfte
doch nicht wahr sein!

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Der Super-Gau

Ein paar Tage später dann der Super-Gau.
Blitzeinschlag in unserem Lager, einer großen
Doppelgarage. Die Kühltruhe ging k.o., das
Futter vergammelte innerhalb weniger Tage -
was wir leider nicht bemerkten. Als ich endlich
genügend Boilies nachgerollt hatte brach der
Winter herein, plötzlich und erbarmungslos.
Der See verfi el in einen tiefen Winterschlaf.
Nun hatten Jascha und ich genügend Zeit, das
bereits abgedrehte Filmmaterial zu sichten und
zu schneiden. In den folgenden (Winter-)Monaten
lernte ich viel über die technische Umsetzung
eines solchen Projektes. Ich schaute
Jascha beim Schneiden über die Schulter. Ich
wählte Musik-Tracks aus, die ich gerne auf
dem Film gehabt hätte, ein wenig Tracy Chapman
für die Lagerfeuerromantik, ein wenig
Jay-Z für den Abspann. So zumindest meine
Ideen. Aber Fehlanzeige: Entweder waren die
Gema-Gebühren für den betreffenden Titel
unbezahlbar. Oder zehn Musikfi rmen besaßen
die Rechte an dem gewünschten Song, wovon
mindestens eine Firma immer „nein“ zur Verwendung
des Titels sagte.
Die Aufl age einer Karpfenangel-DVD
ist einfach zu klein, als dass eine große Plattenfi
rma Interesse an der Veröffentlichung
ihrer Titel auf einer solchen DVD hätte.
Zum Glück konnte Jascha auf eine große
Datenbank zugreifen, auf der Titel verfügbar
waren, die nicht durch die Gema geschützt
waren. So konnten wir passende Titel auswählen,
die die Stimmungen im Film verstärkten.
Zweiter Anlauf Frühjahr 2010, wir sind wieder am Wasser. Zwar scheint die Sonne, doch der Wind und
Der Winter 2009: plötzlich und erbarmungslos auch das Wasser sind eiskalt. Außer ein paar
noch von Egeln befallenen müden kleinen
Schuppis lassen sich (noch) keine Fische vor
die Kamera locken. Das Kraut steht trotzdem
schon hoch, aber das tut es an diesem See
sowieso immer. Also fi sche ich Chod-Rigs,
die ich vor der Kamera erläutere. Doch nach
einigen verregneten, kalten Nächten brechen
wir die Session ab. In den nächsten Wochen
füttere ich ganz vorsichtig ein paar vielversprechende
Spots in flachem Wasser. Dann
heißt es auf Sonnenschein zu warten.


„Alles weg“


Dann, eines Samstagmorgens, eine mail von
Jan. Was er schrieb, las sich wie ein schlechter
Scherz: „Alter, bei uns wurde eingebrochen.
Alles weg.“ Oh je, was für eine Nachricht,
doch ich begriff sie noch nicht. Seit
etwa einem Jahr teilen Jan und ich uns diese
bereits oben erwähnte Doppelgarage, in der
wir unsere Angelausrüstung und unser Futter
aufbewahren. „Bathöhle“ nennen wir das Lager.
Es ist der Dreh- und Angelpunkt unserer
Aktionen, der Treffpunkt für Besprechungen,
der Ausgangspunkt für jede unserer nächtlichen
Futterkampagnen, ein streng geheimer
Ort. Doch nun war jemand eingebrochen in
unsere heilige Halle, all unsere Schätze waren
weg, ein Schaden in deutlich fünfstelliger
Höhe. In diesem Moment, als Jan mir die
Nachricht mailte, war ich traurig. Vor allem aber empfand ich Wut. Denn es wurde so gezielt
eingebrochen und so gezielt Angelgerät
mitgenommen, dass es den Anschein hatte,
als sei es den Dieben mehr darum gegangen
uns zu schaden als sich selbst zu bereichern.
Ein Beispiel: Neben meiner Liege lagen
wertvolle, zum Angeln nutzlose, dafür leicht
zu transportierende Gegenstände, doch die
wurde liegen gelassen. Stattdessen wurde
meine 20 Kilogramm schwere, schmutzige
Liege samt benutztem Schlafsack und verschmutztem
Bedchair Cover weggeschleppt.
Ging es den Dieben nur darum, uns schachmatt
zu setzen? Oder waren sie nur beschränkt
im Geiste? Ich tippe auf eine Kombination
aus beidem.

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Große Anteilnahme


In den einschlägigen Foren kamen Gerüchte
auf, dies sei der Preis meiner starken Präsenz
in den Fachmedien. Ich muss zugeben, dass
ich für einen Moment überlegte, ob an dieser
These etwas dran ist. In den Tagen nach dem
Einbruch war die Reaktion aus der Angelszene
absolut überwältigend. Ich bekam zahlreiche
Nachrichten von Anglern, die ich gar
nicht persönlich kenne, sie sprachen mir Mut
zu. Es gab Angebote von mir fremden Händlern,
die mich zum Einkaufspreis oder noch
günstiger neu ausstatten wollten. All das half
mir, diese schwierige Zeit zu überstehen.
Schön, dass es anscheinend viele Angler
gibt, denen gefällt was ich produziere und
veröffentliche. Der Tag, an dem ich mich aus der Karpfenangelszene zurückziehe, wird sicher kommen.
Doch noch habe ich viele neue Ideen,
es macht mir zu viel Spaß um aufzuhören.
Und vor allem: Ich werde selbst bestimmen
wann es genug ist. Von Einbrüchen lasse ich
mich nicht beeindrucken, egal was und wer
auch immer dahinter steckte.
Mittlerweile habe ich neue Kooperationen
geschlossen. Der Bait Service Straubing
rollt meine Boilies, die dafür nötigen Mixe
schickt Nutrabaits nach Bayern. Ein Rundum-
Sorglos-Paket quasi, und genau das war
es was ich brachte, nachdem ich zwei Mal innerhalb
kurzer Zeit meine gesamten Futterreserven
verloren hatte, erst durch Schimmel,
dann durch Diebe.

Die neuen Schlauchboote für Jan und
mich kamen von der Firma Zeepter Sports,
neue Lampen kamen von Bivylight. Lee
Jackson half mir bei der Zusammenstellung
des neuen Tackles, Osprey Angling Developments
schickte mir neue Kleinteile. Wenige
Wochen nach dem Einbruch war ich wieder
einsatzbereit. Mein größter Dank gilt jedoch
meinen Freunden, die immer zu mir halten:
Jan Ulak, Dirk Ulmer, Moritz Rott, Martin
Schöning und Jascha Sucker. Sie liehen mir
ihr Tackle, nur so konnten wir die Dreharbeiten
fortsetzen. Vielleicht ist das eine Generationenfrage:
Noch vor wenigen Jahren wollten viele Angler
ihr eigenes Buch schreiben, die wenigsten
verwirklichten sich diesen Traum. Ich wollte
immer meinen eigenen Film drehen, nun
stehen Jascha und ich kurz davor, uns diesen
Traum zu erfüllen. Die Verkaufszahlen stehen
da nicht mehr im Vordergrund. Ich bin
einfach glücklich mit dem, was wir produziert
haben. Es ist ein Erfolg, nach unseren
eigenen Ansprüchen einen der besten deutschen
Angelfi lme auf den Markt zu bringen.

Glückliches Ende


Erst im Frühsommer konnte ich mich wieder
aufs Angeln konzentrieren. Neues Spiel, neues
Glück. Ich fütterte zwei krautfreie Stellen
mitten im See mit Big-Fish-Mix and Cranberry-
Boilies in 22, 24 und 28 Millimeter.
Dazu Groundbait und Pellets. Die krautfreien
Stellen hatte ich zuvor mit Tastbleien und
Drillingen erkundet. Wir fi schten ein paar
Nächte und siehe da: Endlich lief es. Am
letzten Morgen kamen dann die Fische, die
ich mir für einen versöhnlichen Abschluss
dieses Projekt gewünscht hatte. Jackpot. Und
zum letzten Mal hieß es: „job done“. Was für
Fische das waren? Nun, freuen Sie sich einfach
auf die packenden Bilder im Film.
Im Sommer 2010 schnitt Jascha das gefi
lmte Material. Im September wurden die
Cover und Rohlinge bedruckt, im Oktober
die Filme gepresst, im November wollen wir die DVD auf den Markt bringen. Um Jascha
zu entlasten arbeitete ich mit weiteren Webdesignern
und Grafi kern zusammen. Auch
die website zum Film (www.philoncarp.de)
erhielt ein neues Design, mit neuen Features
und einem neuen Filmtrailer.

File 84

 

 

 

 

 

 

 

 

„Doch dass wir trotz Erfolgen unseren
Wurzeln treu sind, ist weil Freunde bleiben
während Träume vorbei ziehn´ und weil sich
Leute das reinziehn´, sind wir mehr als nur
uns selbst verpfl ichtet, da man nicht länger
mehr im Stillen dichtet. Ein Ohr an der Geschichte,
ein Auge auf die Szene, ein Haufen
neuer Pläne… Erfolg steigt einem zu Kopf,
wenn da noch Platz für ihn ist. Doch für Höhenfl
üge bin ich zu sehr Rationalist, ich will
nur, dass ihr wisst, dass ich mein Bestes geb´,
denn Angeln ist mein Talent und Teil meiner
Identität. Ich seh´ die Welt wie einen Stummfi
lm und schreib´ Untertitel, hoffe dass ihr
euch wiederfi ndet und mein Text bleibt nicht
unvermittelt. Nach Conningbrook war dieser
Film für mich das nächste große Kapitel.
Wie jedes Ziel fordern auch die nächsten unsere
ersten Schritte.“ (von Philipp Braun,
frei zitiert nach der Band Freundeskreis,
1997)

Produzent Jascha Sucker: „Philipp arbeitet sehr professionell“


Da die Dreharbeiten von Philipp und mir am
kleinen Waldsee und an der großen Kiesgrube
besser als geplant verliefen, da dort die
Fangergebnisse unsere Erwartungen übertrafen,
haben wir uns bei der Wahl des dritten
Gewässers kurzfristig umentschieden.
Anstatt eine rekultivierte Kiesgrube zu befi -
schen wollten Philipp und ich uns noch einen
Schritt weiter wagen: Einer der großen, alten
Braunkohleseen sollte es sein.
Ich kenne das Gewässer seit langem und
wusste, dass das ganze Gewässer mit starkem
Planzenbewuchs regelrecht verpestet
ist. Auch war mir klar, dass der Bestand an
Karpfen im Verhältnis zur Wasserfl äche mager
ist. Beides würde es keinesfalls einfach
machen, dort zu angeln. Die abwechslungsreiche
Gewässerstruktur, mit großen Flachwasserbereichen
und einem gesunden Weißfischbestand, würden Philipps anglerisches Können fordern, so viel war klar.
Vor dem ersten Drehtag war ich gespannt
wie ein Flitzebogen. Wie würde Phil an diesem
Gewässer vorgehen? War er bereit, seine
Angelei auf diese schwierigen Bedingungen
umzustellen? Anders als sonst agierten wir
dieses Mal ohne ein festes, vorgeschriebenes
Drehbuch, das machte es für uns umso spannender
dort zu drehen. Auch wenn Phils Methoden sich von
meinen anfangs sehr unterschieden, fand er
erstaunlich schnell den richtigen Weg, um an
die richtigen Fische heran zu kommen.
Es macht Spaß, ihm bei der Angelei zuzusehen.
Ein Beispiel: Wo ich ein Echolot
und GPS einsetze findet Phil seinen Weg, um
ohne diese Hilfsmittel klar zu kommen. Einfach
mit Tastblei und Lotrute.
Vor der Kamera arbeitete Phil zu meiner
Überraschung von Beginn der Dreharbeiten
an sehr professionell. Er leistete sich kaum
Versprecher. Und er zeigte sich äußerst redegewandt.
Anders als viele andere Zeitgenossen
muss man ihn nicht ermutigen, den Mund
aufzumachen. Eher im Gegenteil: Wenn Phil
einmal loslegt, muss man ihn eher bremsen.
Da der Platz auf einer DVD begrenzt ist,
habe ich seine O-Töne oft geschnitten.
Weil wir nicht nur bei unseren Angel-
Strategien verschiedene Ansichten entwickelten,
kam es im Laufe der Produktion zu
diversen Meinungsverschiedenheiten. Philipp
legt Wert auf ruhige Sequenzen, gerne
mit Naturromantik, von Sonnenuntergängen
bis Vogelgezwitscher. Ich hingegen habe ein
Faible für actionreiche Szenen, gerne auch
mit bewegter, unruhiger Kameraführung.
Der Wechsel zwischen diesen beiden Extremen
prägen den Film jedoch positiv.
Philipp und ich wollten einen Film produzieren,
der sowohl für Anfänger als auch
für langjährige Karpfenangler interessant ist.
Ich denke, dass uns das gelungen ist.